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Verlag WESTFÄLISCHES DAMPFBOOT |

Bevölkerungspolitische Motive prägen nach wie vor globale Entwicklungs- und Gesundheitspolitik, auch wenn der Forschungsboom zu Biopolitik sie kaum beachtet. Die etablierten Gender-Konzepte - reproduktive Rechte und Gesundheit - kreisen zwar um das Individuum, ihre Dynamik ist aber nur in ihrer Artikulation mit demographischen Problemkonstruktionen zu verstehen, so die zentrale These von Susanne Schultz. Sie analysiert dieses veränderte Verhältnis von Körper- und Bevölkerungspolitik und rekonstruiert hegemonietheoretisch die NGOisierung von Frauengesundheitsbewegungen. Dabei hinterfragt sie die "medikalisierten" Subjekte der neuen Politik: Frauen, die weniger Kinder bekommen sollen, indem sie selbstverantwortlich ihre "reproduktiven Risiken" minimieren.
"Die theoretische und politische Relevanz dieser Studie reicht weit über den konkreten Untersuchungsgegenstand hinaus. Am Ende artikuliert Verf. die Hoffnung, dass eines Tages weltweit offenen Debatten über die unterschiedlichen Praxen, ohne oder mit Kindern zu leben, möglich werden, und zwar 'ohne sie zur Frauenfrage zu erklären und ohen auf idealisierende Projektionen zu Mutterschaft oder Mütterlichkeit zurückzufallen'. Wer solche Debatten führen und entsprechende Praxen entwickeln will, sollte diese Arbeit kennen."
Stefanie Graefe DAS ARGUMENT
Rezension aus iz3w