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Verlag WESTFÄLISCHES DAMPFBOOT |
Elpetrolado mit Risiken Der Rohstoffboom in Lateinamerika Jahrbuch Lateinamerika 31. Rohstoffboom mit Risiken. |
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Wer sich über Lateinamerika aus emanzipatorischer Perspektive auf dem Laufenden halten möchte, ist mit dem Lateinamerika-Jahrbuch gut beraten. Das nun vorliegenden 31. Jahrbuch widmet sich dem „Rohstoffboom mit Risiken“, der zurzeit in Südamerika zu beobachten ist. Dass dies ein Schlüsselthema für die Entwicklung in Lateinamerika ist, machen nicht nur die viel beachteten Nationalisierungen des Erdöls in Venezuela und Bolivien deutlich. Auch bei einigen der wichtigsten wirtschaftlichen Integrationsprojekte in Lateinamerika ist Energie der treibende Faktor. Zudem stellen sich anhand des Umgangs mit dem neuen Rohstoffreichtum viele bekannte Entwicklungsfragen erneut. Grundlage für den Rohstoffboom sind die gestiegenen Preise auf den weltweiten Rohstoffmärkten seit Ende der 1990er Jahre. Für die lateinamerikanischen Staaten, die über Bodenschätze verfügen – vor allem Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela -, bringt dies zurzeit einen veritablen Aufschwung. Doch dieser beruht auf Exportorientierung und bringt diese Länder erneut in die Rolle der Rohstofflieferanten für die Industrienationen. Zudem machen sie sich vom Weltmarkt und seinen Schwankungen abhängig. Gleichzeitig haben die Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf jedoch dazu geführt, dass einige Länder sich politischen Handlungsspielraum zurückerobern konnten, der in den neoliberalen 1980er und 1990er Jahren verloren gegangen war. Dass eine Wachstumsstrategie, die auf dem Verkauf von Erdöl beruht, mittelfristig keine Zukunftschancen hat, betont Elmar Altvater in seinem Einleitungsartikel. Dem liegen die Berechnungen zum „Peak Oil“ zugrunde, dem Zeitpunkt, an dem der Förderhöhepunkt überschritten wird. Da dieser bevorsteht oder bereits überschritten ist, muss nach Alternativen gesucht werden. Dabei setzt etwa Brasilien massiv auf die Erzeugung von Biomasse zur Ethanolproduktion. Dass dieser Agro-Sprit Risiken birgt, hat spätestens die „Tortilla-Krise“ 2007 in Mexiko gezeigt, als sich die Preise für das Grundnahrungsmittel Mais erhöhten, weil dieser in den USA verstärkt zu Ethanol verarbeitet wird. Die Liste weitere Probleme im Zusammenhang mit dem Rohstoffboom ist lang. Welche gravierenden ökologischen und sozialen Folgen der Bergbau in Peru hat, beleuchtet Michael Pollmann in seinem Beitrag. Er macht jedoch auch deutlich, dass dies teilweise von der Bevölkerung in Kauf genommen wird, weil keine anderen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden. Ähnlich verhält es sich mit der Zellstoffproduktion in Uruguay, von der Stefan Thimmel berichtet. Dort ist vor Kurzem die größte Zellstofffabrik der Welt eröffnet worden, die fortan täglich 29 Kilogramm hochgiftige Dioxine in den Rio Uruguay einleiten wird. Zudem sind die Eukalyptusplantagen, die zur Zellstoffgewinnung entstehen, nachweislich eine Katastrophe für das Ökosystem der betroffenen Gegenden. Trotzdem hat die linke Regierung von Tabare Vazquez den Bau der Fabrik mit den wenig stickhaltigen Argumenten der Arbeitsplatzsicherung und Verkleinerung des Außenhandelsdefizits unterstützt. Mehr Hoffnung macht da der Vorschlag aus Ecuador an die internationale Gemeinschaft, die größte Ölreserve des Landes nicht auszubeuten, das se in einem Biosphärenreservat mit einer weltweit einmalig hohen Artenvielfalt liegt- Dafür müsste jedoch bis Juni 2008 ein internationaler Treuhandfonds mit Kompensationszahlungen zusammenkommen. Zukunftsweisenden Ansätze finden sich auch in Kuba, derzeit Vorreiter bei erneuerbaren Energien in Lateinamerika. Da diese vor allem dezentral sonnvoll zu nutzen sind, gibt es jedoch Probleme mit den zentralistischen Strukturen, wie Silke Helfrich ausführt. Da die Beträge des Jahrbuchs Lateinamerika für eine Aufsatzsammlung mit wissenschaftlichen Anspruch erfreulich gut geschrieben sind, ist die Lektüre nicht nur informativ, sondern auch anregend. Abgerundet wird der Band durch fünf ebenfalls kenntnisreiche Beiträge, die nicht in den Rohstoffschwerpunkt eingeordnet sind. So kann sich der Leser/die Leserin rundum gut informiert über den lateinamerikanischen Kontinent fühlen. |
Armin Massing, in INKOTA-Brief, NR. 142, März 2008, 37 S.