Verlag WESTFÄLISCHES DAMPFBOOT

"Embedded Journalists"

Eigentlich stehen in diesem recht kurzen, aber informativen und interessant zu lesenden Werk gar nicht so sehr die »Em- bedded Journalists« im Vordergrund, wie es der Titel verspricht. Vielleicht aber auch deswegen, weil Reporter, die – sozusa- gen »eingebettet« in die Truppe – mit dieser unterwegs sind, gar keine neue Erscheinung darstellen. Schon während der na- poleonischen Kriege und im amerikanischen Bürgerkrieg sollen die Heerscharen oftmals von Kriegsberichterstattern begleitet worden sein. Zuletzt wurde dies von den USA im Irak-Krieg 2003 der Weltöffentlichkeit als quasi »neue« Erfindung propa- gandistisch verkauft. Die rund 600 Embedded Journalists sollten den Krieg sozusagen gänzlich hautnah und authentisch in die Wohnzimmer der Welt vermitteln. Freilich vor allem aus der Sicht der Allianz gegen den Irak. Nicht nur hier setzt aber auch die Kritik an: Mag sein, dass ein solcher Journalist unmittelbarere Eindrücke gewinnt als sein Kollege, der als Schreib- tischtäter in fernab eingerichteten Pressezentren von den Militärs täglich nur gebrieft wird. Andererseits wird er stets auch befangen sein, als Leid und auch Freud der Truppe stets teilender Gefährte. Das ist menschlich und verständlich, dient aber nicht der Objektivität.

Der Fokus des Buches ist aber, wie gesagt, anders gelagert. Vor allem geht es um die Kriegsberichterstattung im Wandel der Zeit. Dabei wird das Thema hauptsächlich anhand von drei Fallstudien bearbeitet: Vietnamkrieg, Golfkrieg 1991 und Irak-Krieg 2003. Im Laufe der fast drei Jahrzehnte haben sich die Verhältnisse tatsächlich grundlegend geändert. Im Viet- namkrieg war Berichterstattung erstmals unzensiert, auch das Fernsehen feierte seine Premiere. Um in der Öffentlichkeit all- zu großen Unmut zu vermeiden, war die Strategie der Militärs im Golfkrieg gänzlich anders. Die Journalisten hatten kaum Möglichkeiten, sich außerhalb der Pressezentren zu bewegen. Praktisch nur dort konnten sie ihre Informationen beziehen. Zudem setzte man auf Bilder von »chirurgisch sauberen« Bombardements mit High-Tech-Waffen. Mit der Realität des Krie- ges hatte das nichts zu tun.

In diesem Krieg schlug außerdem die Stunde von CNN, in »Echtzeit« und 24-stündiger Berichterstattung. Kritiker sagen, dass sich der Journalismus so selbst ad absurdum führte, weil er sich auf bloßes Dabeisein, Draufhalten und Dauerinforma- tion reduzierte, anstatt griffige Interpretationen zu liefern. Im Irak-Krieg 2003 wurde schließlich auf die »Embedded Jour- nalists« zurückgegriffen, vor allem um die Berichterstattung stärker steuern zu können und allzu unabhängige Reportage weiter einzudämmen. Eigentlich absurd in Zeiten, in denen längst kritische Sender wie Al Jazeera berichten und das Inter- net ungeschminkt praktisch jegliche Information und Diskussionsmöglichkeit bietet …


Herbert Strunz, in: International IV/2007

nach oben

Zurück zur Übersicht der Rezensionen