Verlag WESTFÄLISCHES DAMPFBOOT

Gerd Steffens (Hrsg.): Politische und ökonomische Bildung in Zeiten der Globalisierung


Thema
Seit den 1990er Jahren werden in Deutschland zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Schule "wirtschaftsnäher" zu gestalten und zum Ort "ökonomischer Bildung" zu machen. Sie gehen insbesondere von den Interessensverbänden der Privatwirtschaft und multinationalen Großunternehmen aus, wurden aber inzwischen in allen Bundesländern auch von der staatlichen Schulpolitik aufgegriffen und haben sich bereits in Gesetzen, Verordnungen und Lehrplänen niedergeschlagen. Die "Wirtschaftsorientierung" manifestiert sich in neuen Lehrfächern ("Wirtschaft"), der Ausweitung der Betriebspraktika, der Einrichtung von Schülerfirmen und last but not least in Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben, die vielfach als "Lernpartnerschaften" bezeichnet werden und zu einer "wirtschaftsorientierten Bildungslandschaft" führen sollen. Als Ziele der "Lernpartnerschaften" werden genannt, dass die Schüler/innen realitätsnäher ausgebildet werden, "wirtschaftliche Erfahrungen" machen, besser auf den späteren Beruf vorbereitet werden und lernen sollen, selbstständig zu handeln, Teamgeist zu entwickeln und "gesellschaftliche Verantwortung" zu übernehmen.

Die Bestrebungen zu einer "wirtschaftsorientierten Schule" zielen darauf ab, eine emotionale Annäherung und "Versöhnung" mit der Privatwirtschaft, insbesondere der Industrie zu erreichen und die in den Schulen noch bestehenden Vorbehalte gegenüber einer möglichen Einflussnahme von Wirtschaftsunternehmen auf die Schule abzubauen. Sie erfolgen nicht selten in Konkurrenz zur Politischen Bildung, was sich z.B. darin ausdrückt, dass in Lehrplänen der Anteil "politischer Bildung" zugunsten des Anteils "ökonomischer Bildung" beschnitten wird. Das Lernziel eines reflektierenden und kritischen demokratischen Handlungsverständnisses, wird von dem Ziel abgelöst, schon im Raum der Schule den homo oeconomicus hervorzubringen, der sein Leben an Kosten-Nutzen-Maximen ausrichtet, Verständnis für die "Gesetze des (Welt-)Marktes" entwickelt und sich flexibel auf die "Herausforderungen" einer deregulierten Arbeitswelt einstellt. Insofern liegt es nahe, diese Art "ökonomischer Bildung" im Zusammenhang des neoliberalen Projekts der Globalisierung zu verorten.

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