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Thien liefert mit dieser Zusammenstellung eigener Aufsätze eine großartige Analyse
gegenwärtiger und vergangener Klassentheorien und zeichnet zugleich ein
prozesshaftes Bild des Wandels der Arbeiterinnen und Arbeiter im Deutschland der
vergangenen Jahrzehnte. Ausgangspunkt des Buches ist die Feststellung, dass dem
Klassenbegriff keinesfalls ein geschichtsdeterministischer Aspekt innewohnen dürfe.
Laut Thien wirkten Wiederbelebungsversuche eines oder gar des Proletariats […]
angesichts der Verhaltensweisen von ArbeiterInnen in den letzten 50 Jahren eher
komisch (12); der Transformationsprozess des Kapitalismus habe nun einmal kein
vorgegebenes Ziel, das es von irgendjemandem zu erfüllen gelte (14). Auf diesen
Annahmen aufbauend, setzt sich der Autor detailliert mit mehreren Jahrzehnten
Klassentheorie auseinander, verfeinert, differenziert und fragt nach Auswegen aus
ungelösten wissenschaftlichen Fragen. In diesem Sinne bietet er nicht nur eine recht
gute Einführung in klassentheoretische Debatten, sondern zeigt zugleich, dass –
trotz radikaler gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen – der
Klassenbegriff weiterhin ein vielversprechendes Werkzeug politischer und
gesellschaftlicher Analysen darstellen kann.
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