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Verlag WESTFÄLISCHES DAMPFBOOT |
Die Solardächer von Rizhao |
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Bericht »Zur Lage der Welt« weist Wege zu mehr Klimaschutz
Die Verstädterung der Erde geschieht so rasant, dass in diesem Jahr erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt. Im Wissen um die Geschwindigkeit der Urbanisierung und deren Bedeutung für die gesamte Entwicklung der Erde widmet sich das Worldwatch Institute im diesjährigen Bericht zur Lage der Welt dieses Themas. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Einige Konglomerate sind zu solch riesiger Größe angewachsen, dass für sie der Begriff »Megacities« geschaffen wurde. Rund die Hälfte der Städte hat Einwohnerzahlen bis 500 000, ungefähr ein Viertel bewegt sich im Rahmen zwischen einer und fünf Millionen. Gunther Hilliges, Mitautor der deutschen Ausgabe des diesjährigen Berichts zur Lage der Welt, weist darauf hin, dass Städte zwar nur etwa 2 Prozent der Erdoberfläche bedecken, aber mehr als 80 Prozent der Ressourcen verbrauchen. Allein der Bau der Städte auf konventionelle Weise sei für mehr als ein Drittel der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich und produziere fast 40 Prozent des gesamten vom Menschen erzeugten Abfalls, heißt es in dem Bericht. Eine nachhaltige Wende in der Stadtentwicklung fordern daher die Herausgeber der deutschen Ausgabe. Die klimatischen Auswirkungen der Verstädterung sind gravierend. Rizhao, eine Dreimillionenstadt in China, wird im Bericht als exemplarisch aufgeführt, um zukünftige Möglichkeiten der Energieversorgung für Städte aufzuzeigen. Dächer und Mauern sind dort mit Solarpaneelen bedeckt, die 99 Prozent der Haushalte in zentralen Stadtbezirken mit Warmwasser versorgen. Die Umweltbelastungen sinken, die Stadt wird lebenswerter und die gesünder lebenden Menschen werden produktiver. Molly O'Meara Sheehan, die als leitende Forscherin beim Worldwatch Institute das Buchprojekt koordiniert hat, weist darauf hin, dass Städte und vor allem deren Politiker wichtig für die Entwicklung auf der Erde sind. Während die Regierung ihres Heimatlandes USA unter George W. Bush das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hat, handeln Bürgermeister und andere lokale Entscheidungsträger bereits nach den international vereinbarten Richtlinien beim Kampf gegen die Klimakatastrophe. So habe der Bürgermeister von New York erst vor einer Woche die neue Vision einer »grünen Stadt« entworfen, die eine drastische Senkung von CO2-Emissionen beinhaltet. Besonders die schnell und ungeplant wachsenden Städte in Entwicklungsländern bereiten Probleme. Dort wird Armut oft gleich miturbanisiert. Wasserversorgung ist oftmals das größte Problem. Fast ein Drittel der Stadtbevölkerung, so schätzen Experten, lebt in Slums. Doch auch in Afrika, wo die Urbanisierung am schnellsten voran schreitet, tauschen sich Kommunen aus, um wirksame Lösungen zu entwickeln. Bärbel Dieckmann, Bonner Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des Weltbürgermeisterrates zum Klimawandel, verweist auf eine Konferenz mit Vertretern von mehr als 3000 afrikanischen Kommunen im vergangenen Jahr. Sie plädiert dafür, Städten eine Stimme zu geben, wenn auf internationalem Parkett über das Klima verhandelt wird. Nationale Regierungen und internationale Gremien seien oft zu langsam, um Prozesse zügig anzuschieben. Eine Vernetzung der Städte und eine Einbeziehung der lokalen Entscheidungsträger könnten da helfen. Auch in Rizhao konnten die ambitionierten Visionen nur umgesetzt werden, weil die Stadtvertreter die notwendigen Rahmenbedingungen schufen. Optimismus statt Angst soll die Urbanisierung begleiten, so der Grundtenor des Berichts. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon räumt zwar ein, dass seine Stadt die angestrebten CO2-Reduktionsziele nicht erreichen wird. Allerdings kämen kommunale Politiker aus aller Welt in den Breisgau, um von guten Beispielen zu lernen. Ein produktiver Ideenwettbewerb sei wichtig, so Salomon. |
Kai Walter in: Neues Deutschland 4.5.2007