Politik des Ornaments NEU!

Gérard Raulet

ISBN: 978-3-89691-054-7

286 Seiten

Preis: 30,00 €

Erschienen: 2021


Es sind immer die symbolischen und ästhetischen Formen, in denen Politik dargestellt und inszeniert wird, die einer politischen Ordnung Sinn und Bedeutung geben. Das Buch verfolgt den Wandel der politischen und sozialen Repräsentationsformen von dem antiken Ornamentum, das seinen Ort in der Rhetorik und in der Architektur hatte, bis zur Expressivität der zeitgenössischen „präsentativen“ Kultur. Es zeigt den engen Zusammenhang zwischen der symbolischen Ordnung, der Begründung politischer Legitimität und der jeweiligen Verfassung und Rolle der politischen Öffentlichkeit.

Sowohl die moderne, d. h. die neuzeitliche politische Gemeinschaft als auch die mittelalterliche politische Ordnung beruhten auf der Vorstellung von der Heiligkeit der Ordnung und deren Personifizierung durch den Monarchen, dessen Körper die doppelte, zugleich physische und heilige Beschaffenheit der Ordnung symbolisiert. Immer mehr klafften aber beide Ordnungen auseinander. Die barocke Theatralisierung der Herrschaft spiegelt diesen Prozess wider, der mit einer zunehmenden Rationalisierung der Herrschaftsbegründung einhergeht: dem Ende der Lehre von den zwei Körpern des Königs. In zugespitzter Form wiederholt sich das Problem bei Rousseau als demokratisches Repräsentationsproblem. Transparenz und Transzendenz stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Diese Spannung muss als konstitutiv angesehen werden. Wo sie verschwindet, untergräbt die Transparenz das konstitutive Moment der Souveränitätsbegründung.

Beim Übergang zur „postmodernen“ Kultur hat sich die Problematik der Repräsentation als Verhängnis erwiesen. In einer Gesellschaft, in welcher mehr als in allen früheren – von der barocken abgesehen – das Fest zum Lebensstil erklärt wird, ist aus Rousseaus demokratischem Fest ein Kult des individuellen Vergnügens geworden. Es herrscht das Primat der bürgerlichen Gesellschaft und des individualistischen Modells. Was zu zerfallen droht, ist die konstitutive Funktion der Repräsentation, die immer das Bindeglied zwischen der Sphäre des Politischen und der bürgerlichen Gesellschaft bildete.

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe

Gérard Raulet

Gérard Raulet, geb. 1949, Professor an der Sorbonne (Lehrstuhl für deutsche Ideengeschichte), Direktor des Forschungszentrums "Philosophie politique contemporaine" des centre national de la recherche scientifique 1999/2002), Gründungsmitglied, dann Direktor (1982/1999) und Vorsitzender (1999ff.) der Groupe de recherche sur la culture de Weimar am Pariser Maison des Sciences de l'Homme (CNRS: GDR 456), veröffentlichte u.a. Historismus, Sonderweg und dritte Wege, Frankfurt/M. u.a. 2000. Vom Parergon zum Labyrinth, Wien 2001 (Hrsg. mit Burghart Schmidt). Marx démocrate. Le manuscrit de 1843, Paris 2001 (Hrsg. mit Etienne Balibar). Max Scheler. L'anthropologie philosophique en Allemagne dans l'entre-deux-guerres, Paris 2002 (Hrsg.).